Tortur wegen mobilem Internet


Die Vorgeschichte: Zweimal Flucht vor Antennen

 

Oft sind die Begründer mobilfunkkritischer Organisationen selber hochgradig elektrosensibel, so auch Philippe Hug. Im Jahre 2003 musste er das erste Mal fliehen, weil im nahen Kirchturm Mobilfunkantennen installiert worden waren. In einem Juradorf an der Landesgrenze fand er eine neue Wohnung mit sehr wenig Strahlung. Er erholte sich zusehends. „Vor dem 3. Oktober 2005 hatte ich wieder einen leidlich guten Gesundheitszustand erreicht", notierte er. Die Messwerte betrugen im Schlafzimmer weniger als einen Tausendstel des Schweizer Grenzwertes, der für die Strahlung einer einzelnen Mobilfunk-Sendeanlage gilt.

 

Doch im August-September 2005 wurde auf der nahen Turnhalle der erste Sendemast im Dorf errichtet. Der Probebetrieb wurde aufgenommen. „Am 25. Oktober Arztvisite. Nach der Rückkehr setze ich mich an die Arbeit. Da, plötzlich der Schmerz an der rechten Schläfe, den ich so gut kenne. Ich eile zum Messgerät: Die Antennen sind eingeschaltet worden! Am Abend grosse Einschlafschwierigkeiten. - Vom 26. auf den 27. bin ich sechsmal aufgewacht. Am 27. plötzliche Zunahme meines Ohrenpfeifens; Kopfschmerzen. ES FÄNGT WIEDER AN!"

 

Am 28. flieht er zu einem Freund jenseits der Grenze und bleibt dort bei nahezu Null Strahlung, nachdem dieser ihm zuliebe sein Funktelefon durch das alte Schnurtelefon ersetzt hat. „Welch ein GLÜCK! Jede Nacht acht bis neun Stunden perfekter Schlaf. Ich träume wieder. Ich habe viel weniger Augenprobleme, obwohl ich zehn Tage lang nichts als lese. Nach 4 bis 5 Tagen ist mein Ohrenpfeifen auf ein derart tiefes Niveau abgesunken, wie ich es bisher nicht kannte. Keine Hüftschmerzen mehr trotz einem 3 km langen Fussmarsch."

 

Aber dann muss er zurück in seine Wohnung. Und schon beginnen wieder Kopf- und Unterleibsschmerzen, Schlafstörungen, Reizbarkeit, starkes Ohrenpfeifen, Sehstörungen, Jucken in der Nasenschleimhaut, Nierenschmerzen, Schmerzen in der Lebergegend, eins nach dem andern. „Ab dem 13. November Müdigkeit. Ich kriege die Gedanken nicht mehr zusammen. Gegen das Ende des Tages verschwimmt die Tastatur." Es folgen Gleichgewichtsstörungen beim Aufstehen, verstärkte Eingeweideschmerzen, schlechter Schlaf ohne Erholung, keine Träume mehr. „Ab dem 16. November Momente völligen Gleichgewichtsverlustes, sogar Sturz nach hinten. Nase verstopft, Lippen rissig. Reizbarkeitsgefühl. Starker Nachtschweiss." Dann Konzentrations- und Augenprobleme, heftiger Kopfschmerz an der rechten Schläfe, Jucken an verschiedenen Stellen, Appetitverlust, Übelkeit, Depressivitätsgefühl, Augenstechen. „Am 27. noch längerdauernde und heftigere Kopf- und Augenschmerzen. Ich fahre weg über die Grenze. Erst nach 4 Stunden lassen die Schmerzen nach. Zurück in der Wohnung sind die Symptome bald wieder da. Es ist eine wahre Tortur. Ich kann nicht mehr recht arbeiten, keinen zusammenhängenden Gedanken fassen. Um 18.30 falle ich halbtot ins Bett."

 

Im Dezember 2005 wird die Strahlung im Schlafzimmer gemessen. Die Messung ergibt einen hundert Mal höheren Strahlungswert als vor dem Bau der nahen GSM900-Antenne. Zwar liegt dieser Strahlungswert immer noch bloss bei einem Zwanzigstel des gesetzlichen Grenzwertes von 4 Volt pro Meter. Aber es ist exakt der Strahlungswert, ab dem - gemäss den baubiologischen Richtwerten - für empfindliche Menschen nur eine sofortige Sanierung oder der Wegzug in Frage kommt, nämlich 0.2 V/m.

Mittels 60 m2 Abschirmgewebe (mit versilberten Kupferfäden verwobene, baumwollene Textilbahnen, Wert rund Fr. 3'000.-) an Decke und antennenseitigen Wänden der Wohnung kann der Strahlungswert um den Faktor fünf auf knapp 0.04 V/m reduziert werden. Das ist zwar gemäss den baubiologischen Richtwerten immer noch zu hoch für Beschwerdefreiheit. Aber man kann hoffen, dass eine gewisse Erholung doch wieder möglich sein wird.


Tatsächlich bessert sich der Gesundheitszustand allmählich. Aber die Symptome verschwinden nicht ganz. Es bleibt ein täglicher Kampf um gedankliche Konzentration in der anspruchsvollen Arbeit des Sichtens wissenschaftlicher Studien über Strahlungsauswirkungen, des Schreibens von Briefen an Verantwortliche, des Vorbereitens von Referaten, des Verkehrs mit Ärzten, Rechtsanwälten und Gerichten in Bezug auf den eigenen Fall und als Hilfe für andere Betroffene...

 

Den Ausschlag zum Entschluss, auch von diesem Ort wiederum wegzuziehen, geben schliesslich in den Nachbarwohnungen zunehmend installierte DECT-Funktelefone und WLAN-Anlagen. Diese haben eine erneute, fast unerträgliche Verstärkung der Symptome zur Folge.

 

In einem abgelegenen Weiler derselben Gemeinde findet Philippe Hug seine dritte Wohnung, weitab von allen Antennen. Und das Leben kehrt zurück! Er schöpft wieder Hoffnung, kann die aufreibende Arbeit immer besser bewältigen.

 

Mobiles Internet: Die Katastrophe

 

Bis Mitte 2008 ein Anruf kommt. „Jetzt haben wir die Katastrophe. Hör mal...", und er hält den Lautsprecher seines Messgerätes an den Telefonhörer: Starke GSM-Mobilfunkstrahlung! Der bekannte 217 Hertz-Ton der Handys, diesmal jedoch mit einer den Funkwellen zusätzlich aufgeprägten 8⅓ Hertz-Pulsung - innerhalb der Alpha-Gehirnwellenfrequenz von 8 bis 12 Hertz! Dieselbe Pulsung, welche aus der Presse durch die im bayrischen Oberammergau bei Antennenanwohnern verursachten, schweren Gesundheitsprobleme bekannt geworden ist. Er misst Strahlungswerte bis zu 0.7 V/m, und das ist für Elektrosensible nicht auszuhalten. Woher plötzlich diese Strahlung in dieser Stärke?

 

Der Grund ist bald gefunden: das von den Mobilfunkbetreibern anfangs 2008 auf den Markt geworfene „mobile Internet". Man steckt ein kleines Zusatzgerät an den Laptop-Computer und kann nun überall, wo immer man sich befindet, drahtlose Internet-Verbindung aufnehmen. Die Verbindung wird automatisch über jenes Netz aufgebaut, das gerade die beste Übertragungsqualität bietet: GSM (GPRS oder EDGE), UMTS, eventuell WLAN.

 

Das also ist die Ursache: Der mittels mobilem Internet-Zusatz zur „Strahlungsbombe" gewordene Laptop-Computer der Wohnungsnachbarin, etwa eine Stunde jeden Tag...

Philippe Hug schreibt über seine neue Erfahrung am 26. Juli 2008. Jetzt lässt er das Messgerät dauernd eingeschaltet. Den Messgeräte-Lautsprecher stellt er so ein, dass man die weit entfernten, schwach einstrahlenden Antennen gerade nicht mehr hört. Aber das mobile Internet der Nachbarin lässt den Lautsprecher sogleich aufheulen: „Sobald das Gerät Lärm macht, fliehe ich sofort in die Küche" - die Nachbarin arbeitet in ihrer Wohnung direkt unter seinem Arbeitszimmer, und wenn er sich der Strahlung durch Flucht augenblicklich entzieht, kann er das Schlimmste abwenden - „aber ich kann nicht mehr arbeiten. Welche Qual [quel calvaire]... Zusätzlich zu den 217 Hertz ist da ein trockenes tac-tac-tac, nicht immer, aber das mir ans Lebendige geht. - Meine Symptome variieren je nach Sendeleistung, Übertragungssystem und Expositionszeit.

 

Zusammengefasst: Kopfschmerzen, Schmerzen um eine Augenhöhle herum, Schlafstörungen, sich verstärkendes Ohrenpfeifen, Nachtschweiss, Harndrang, Blähungen, verstopfte Nase und blutiges Nasensekret, Husten und Atemnot, Sehstörungen, schwitzende Handinnenflächen (ich muss mir immer wieder die Hände waschen), Tendenz zu Durchfall, depressive Stimmung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Ehrlich, ich weiss nicht mehr weiter. Heute früh hat die Nachbarin ihr mobiles Internet von 7.30 bis 8.30 Uhr betrieben. Und ich bin für den Rest des Tages erledigt. - Ach ja, ein weiteres schreckliches Symptom: wenn ich mich ans Essen setze, schliesst sich die Speiseröhre nach dem ersten Bissen und schmerzt manchmal sehr. Dann muss ich 10 bis 20 Minuten lang Speichel spucken. Es ist abscheulich. Ich verliere unglaublich viel Zeit bei meiner Arbeit... Wahrhaftig, es ist kein Leben... Mein Advokat sagt, wenn ein Arzt in der Zeitung lügt [Anspielung auf einen Zeitungsartikel, der die Existenz von Elektrosensibilität bestreitet], so kann man nichts machen. Schöne Aussichten! - Ist das bald das Ende?"

 

Die schwierige Frage nach dem Sinn dieses Leidens

 

Quel calvaire... Ja, ein Kreuzesweg. Viele elektrosensible Menschen erleben es so. Manche sprechen auch von dauernder Folter. Sie gehen mit ihrem Leiden sehr unterschiedlich um. Zwischen Resignation, Hader, Depression, Suizidgedanken auf der einen Seite und mutigem, tatkräftigem Versuch der Bewältigung dieses Schicksals auf der anderen Seite gibt es alle Lebenshaltungen - wie bei jedem Leiden.

 

Nur: die meisten anderen Leidensursachen - anerkannte Krankheiten, Behinderungen, Naturkatastrophen, Krieg - sind öffentlich oder gesamtgesellschaftlich anerkannt. Sie erregen Mitleid und lösen Spende- und Helferwillen aus. Nicht so das Leiden am Elektromagnetismus, vor allem nicht dasjenige an der Mobilfunkstrahlung. Elektrosensible erfahren im Alltag fast immer Unglauben, Ablehnung, Misstrauen, ja sogar Hohn und Spott und Aggression. Diese Reaktionen der „Anderen" haben einen ganzen Komplex von Ursachen:

 

* Man kann mit seinen äusseren Sinnen die Strahlungen und Felder nicht wahrnehmen.

 

* Als vermeintliche Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit wird missverstanden, wenn Elektrosensible die drahtlosen Kommunikationsmittel nicht nutzen oder gar davor fliehen.

 

* Viele Leute haben Angst, man wolle ihnen etwas wegnehmen, was ihnen bequem oder nötig scheint oder ohne das sie nicht mehr leben zu können meinen - denken wir nur daran, dass manche, vor allem auch Jugendliche, es ohne Handy kaum mehr aushalten.

 

* Andere wiederum können oder wollen einfach nicht glauben, dass der Staat uns in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen einer der wichtigsten modernen Technologien völlig schutzlos lässt.

 

* Nicht zuletzt wird von den Mobilfunkbetreibern die Meinung verbreitet und leider immer noch von einem grossen Teil der Ärzteschaft mitvertreten, Beschwerden infolge Mobilfunkstrahlung gehörten in den Bereich der Psychiatrie; anders gesagt, das Leiden der Elektrosensiblen sei bloss eingebildet oder allenfalls psychosomatisch bedingt.

 

Im alltäglichen Erleben solcher Reaktionen Anderer ziehen sich viele Elektrosensible von ihrer Umwelt zurück. Sie rechnen schon gar nicht mehr damit, ernst genommen zu werden. Sie verschliessen sich ganz oder versuchen zumindest, ihr Leiden nach aussen zu verbergen. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist ebenfalls ein häufiger Grund für das Schweigen.

 

Zur körperlichen Belastung kommt die seelische hinzu, und diese gleich mit dreifacher Ursache: Depressive Stimmungen entstehen erstens unmittelbar durch die Einwirkungen der Strahlung auf das Gehirn (oft wie „von aussen angeworfen" empfunden); zweitens als Folge des nie enden wollenden, täglichen und vor allem nächtlichen Leidens; drittens durch die soziale Ausgrenzung, die ein elektrosensibler Mensch oft erfährt.

 

Es gibt aber Elektrosensible - ich habe selber solche kennengelernt - die ihren Weg positiv annehmen und im Alltagsleben zu bewältigen suchen. Zuweilen sprechen sie sogar von einer gewissen Dankbarkeit dem Schicksal gegenüber, wenn sie ihre Elektrosensibilität nicht bloss als Last und Leidensursache empfinden können, sondern eine Chance sehen in der erweiterten Wahrnehmungsfähigkeit, die ihnen zu einem umfassenderen Bewusstsein verhilft. Mit Hochachtung steht man vor einer solchen Haltung. Aktives Annehmen des eigenen Schicksals als Chance - ist das nicht eine der grossen und oftmals schweren Aufgaben eines Menschenlebens?

 

Aber auch dort, wo Menschen dieses Schicksal nicht akzeptieren und in mutigem Ringen zu bewältigen suchen, sondern in innerer Auflehnung leiden oder resignieren, ist nichts anderes angebracht als Verständnis und Hilfe. Doch diese Hilfe ist manchmal nicht leicht zu geben. Die Wirkung von Abschirmungen reicht für Beschwerdefreiheit nicht immer aus. Der Rat wegzuziehen lässt die Betroffenen oft ratlos, weil sie nicht mehr wissen wohin.

 

Immerhin kann Erleichterung geschaffen werden, wo es nach einer orientierenden Strahlungsmessung gelingt, in den umliegenden Wohnungen die Schnurlostelefone zu eliminieren und die Besitzer eines WLAN-Routers zu überzeugen, diesen zumindest bei Nichtgebrauch abzuschalten oder - besser - durch eine Kabel-Internetverbindung zu ersetzen. Es braucht jedoch nur einer der Nachbarn dabei nicht mitzumachen, und der Erfolg ist in Frage gestellt. Oft fühlen sich elektrosensible Menschen indessen durch die messtechnische Bestätigung, dass ihre Beschwerden einen realen Grund haben und nicht eingebildet sind, wirksam gestützt. Das durch diese Bestätigung wiedergewonnene Selbstvertrauen ist die Grundlage, mit den Nachbarn Kontakt aufzunehmen und zuversichtlicher an die Bewältigung der täglichen Anforderungen zu gehen.

 

Die gesellschaftlich-politische Dimension der Elektrosensibilität

 

Die Elektrosensiblen sind nur die Spitze des zum grössten Teil unter der Wasseroberfläche verborgenen Eisbergs. Sie sind gewissermassen ein „Frühwarnsystem" für unser Gesundheitswesen. Statt sie auszugrenzen, sollten wir sie ernst nehmen und ihnen sogar dankbar sein. Ihr Leiden warnt uns vor den Gesundheitsrisiken, die durch die immer schneller anwachsenden elektromagnetischen Felder und Strahlungen einem immer grösseren Teil der Bevölkerung drohen.

 

Diese Warnung sollte uns zur Aktivität veranlassen. Als Bürger haben wir die Aufgabe, im zwischenmenschlichen Alltag und wo irgend möglich auch öffentlich für eine Änderung der Zustände zu wirken. Das ist indessen gerade auf dem Gebiet des „Elektrosmogs" besonders schwer. Denn wer sich in dieser Richtung einsetzen will, sieht sich bald konfrontiert mit einer Bevölkerungsmehrheit, die sich die faszinierenden drahtlosen Annehmlichkeiten, welche ihr die Industrie mit listenreicher Werbung aufdrängt, nicht mehr nehmen lassen will und deshalb die Beteuerungen von Industrie und Behörden, dass Mobilfunk unschädlich sei, willig glaubt.

 

In diesem schwierigen Umfeld versucht Philippe Hug erneut und mittlerweile verzweifelt, bei den Behörden Gehör für seine Situation zu finden - die Situation Tausender allein in der Schweiz! Unter anderem schreibt er in einem Offenen Brief vom 22. Oktober 2008 an den Vorsteher des Gesundheits- und Sozialdepartementes DSAS im Kanton Waadt:

„... Dennoch habe ich in unserem Rechtsstaat das Recht auf Achtung meines Wohnsitzes, meines Privatlebens und meiner körperlichen Unversehrtheit. Die schädlichen Immissionen müssen daher als Einbruch in meine Wohnstätte betrachtet werden, auch wenn es gesetzlich erlaubt ist. Deshalb, und weil ich nicht dauernd von den für mich gefährlich gewordenen Orten fliehen kann, ersuche ich Ihre Behörde, mir eine vor den elektromagnetischen Feldern geschützte Wohnung zu verschaffen, wie es zum Beispiel in Schweden gemacht wird. Da die Elektrosensibilität in der Schweiz als solche anerkannt ist, muss für die Opfer dieser neuartigen, in steter Zunahme begriffenen Umweltbelastung unverzüglich eine Lösung gefunden werden...".

 

Da liegt der Kern des Problems. Bezüglich der Auswirkungen der Strahlung ist unser Rechtsstaat durch die rasend schnelle Entwicklung der drahtlosen Techniken zum Unrechtsstaat geworden, weil er - beeinflusst von der mächtigen Mobilfunkindustrie - dieser Entwicklung tatenlos zuschaut oder sie gar stützt. Noch keine Beachtung, geschweige denn Nachahmung hat bei uns das Vorbild Schwedens gefunden, wo Elektrosensible vom Staat als Behinderte anerkannt werden. Diese Anerkennung wäre für Tausende eine grosse Hilfe in ihrem immer schwieriger werdenden Leben, je stärker sich der „Elektrosmog" verdichtet. Ist sie aber nicht bloss eine Notlösung? Denn wenn zugleich die Industrie unbehindert ihre Mobilfunknetze weiter ausbauen und die Drahtlosgeräte verkaufen kann, wird diese Anerkennung nutzlos, denn es gibt in bewohnbaren Gebieten unseres Landes bald keine „Funklöcher" und auch keine unbelasteten Räume in Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln mehr. Noch ist kaum bekannt, dass zahlreiche Elektrosensible heute nicht mehr mit der Bahn fahren können.

 

Menschen wie Philippe Hug brauchen also raschen und wirksamen Schutz und Hilfe, damit sie in der heutigen Funkwelt menschenwürdig leben oder gar überleben können. Doch das genügt nicht. Es führt kein Weg am drastischen Abbau der für immer mehr Menschen unerträglich werdenden Funkbelastung vorbei. Und da der Staat, statt die Einwohner zu schützen, die Erhöhung dieser Belastung duldet, ja sogar dazu beiträgt, müssen wir uns selber wehren. „Wir", das sind die Betroffenen und alle, die erkannt haben, was hier vorgeht.

 

Peter Schlegel
Advent 2008